Zum Inhalt springen
Produktentwicklung10 min

Webprojekt planen: Ablauf, Dauer und Kosten für KMU

Webprojekt planen: Ablauf, Dauer und Kosten für KMU

Das Wichtigste

  • Grosse IT-Projekte überschreiten ihr Budget laut McKinsey und der Universität Oxford im Schnitt um 45 Prozent, ausgewertet an über 5.400 Projekten
  • Mehr als die Hälfte aller Projekte leidet unter Scope Creep, also nachträglich wachsendem Umfang (PMI 2018)
  • Eine einfache Marketing-Website für ein KMU dauert realistisch 4 bis 8 Wochen, eine Seite mit eigenen Funktionen 8 bis 16 Wochen
  • Wer vor dem ersten Kontakt ein einseitiges Briefing schreibt, spart sich später die teuersten Korrekturschleifen

Sie wollen eine neue Website oder eine Weboberfläche für Ihr Unternehmen, und Sie kommen nicht aus der IT. Dann ist die wichtigste Arbeit getan, bevor die erste Zeile Code entsteht, nämlich bei der Planung. Ich baue als Freelancer Websites und kleine Anwendungen für KMU, und fast jede Verzögerung, die ich erlebt habe, lässt sich auf eine Handvoll Punkte zurückführen, die am Anfang niemand sauber geklärt hat. Dieser Text geht ein Webprojekt von A bis Z durch: die Phasen, die realistische Dauer mit Zahlen, die Kosten in der Schweiz und die Frage, wofür Sie überhaupt wen brauchen.

Was die Zahlen über Webprojekte sagen

Webprojekte dauern fast immer länger als geplant, und das ist gut dokumentiert. Die Standish Group wertet seit Jahrzehnten zehntausende IT-Projekte aus. In ihrem CHAOS-Report von 2015 erfüllten von rund 50.000 untersuchten Projekten nur etwa drei von zehn alle drei Kriterien gleichzeitig: termingerecht, im Budget und mit einem zufriedenstellenden Ergebnis. Der grosse Rest kam zu spät, wurde teurer oder lieferte weniger als versprochen. Dazu kommt ein Befund, der für ein KMU sehr nützlich ist: Kleine Projekte gelingen deutlich häufiger als grosse. Genau deshalb lohnt es sich, ein grosses Vorhaben in kleinere, lieferbare Schritte zu zerlegen.

INSIGHT

McKinsey hat zusammen mit der Universität Oxford über 5.400 grosse IT-Projekte ausgewertet. Im Durchschnitt lagen sie 45 Prozent über dem Budget und 7 Prozent über der Zeit, und sie lieferten 56 Prozent weniger Wert als ursprünglich geplant. Ein Detail aus derselben Studie ist für Ihre Planung besonders wertvoll: Mit jedem zusätzlichen Jahr Laufzeit stieg die Kostenüberschreitung um weitere 15 Prozent. Je länger ein Projekt offen bleibt, desto teurer wird die Verspätung.

Die Phasen eines Webprojekts von A bis Z

Ein Webprojekt läuft fast immer in den gleichen Phasen ab, egal ob eine Agentur oder ein Freelancer es baut. Wenn Sie die Reihenfolge kennen, wissen Sie zu jedem Zeitpunkt, wo Sie stehen und was als Nächstes kommt.

  1. Konzept und Ziele (Discovery)

    Bevor irgendetwas gestaltet wird, klären Sie, was die Website überhaupt erreichen soll. Mehr Anfragen über das Kontaktformular? Online verkaufen? Wer ist die Zielgruppe, was machen Mitbewerber? Diese Phase dauert je nach Grösse ein bis drei Wochen und endet idealerweise mit einem kurzen Strategiepapier. Es klingt unspektakulär, ist aber der Punkt, an dem die meiste spätere Zeit und das meiste Geld entschieden werden.

  2. Inhalt und Struktur

    Welche Seiten braucht es, und was steht darauf? Hier entsteht die Seitenstruktur, also eine Art Inhaltsverzeichnis der Website. Texte und Bilder sind erfahrungsgemäss der grösste Engpass im ganzen Projekt, weil sie meistens bei Ihnen liegen und nicht beim Entwickler. Wer früh mit dem Schreiben beginnt, verschiebt den Launch nicht wegen fehlender Inhalte.

  3. Design (Wireframes und Gestaltung)

    Zuerst entstehen graue Skizzen ohne Farben, sogenannte Wireframes, die nur die Anordnung zeigen. Erst danach kommt das fertige Aussehen mit Farben, Schriften und Bildern. Das passiert meistens in Figma, einem Werkzeug, in dem Sie das Design im Browser ansehen und direkt kommentieren können, ohne etwas zu installieren.

  4. Entwicklung (Umsetzung)

    Jetzt wird aus dem Design eine echte Website. Das Frontend ist alles, was Besucher sehen, das Backend ist die Technik dahinter, etwa ein Redaktionssystem (CMS), mit dem Sie später selbst Texte ändern können. In dieser Phase ist auf Ihrer Seite wenig zu tun, ausser Fragen zu beantworten und Zwischenstände freizugeben.

  5. Inhalte einpflegen und Testen

    Die fertigen Texte und Bilder werden eingesetzt, und alles wird geprüft: auf dem Handy, auf dem Desktop, in verschiedenen Browsern. Funktionieren die Formulare, stimmen die Links, lädt die Seite schnell genug? Diese Phase wird oft unterschätzt und braucht ein bis zwei Wochen.

  6. Launch (Aufschaltung)

    Die Website geht live. Dazu gehören die Domain, ein Sicherheitszertifikat und, falls eine alte Seite ersetzt wird, saubere Weiterleitungen der bisherigen Adressen. Letzteres ist wichtig, damit Ihre Sichtbarkeit bei Google nicht einbricht.

  7. Nach dem Launch

    Eine Website ist mit dem Launch nicht fertig. Jetzt messen Sie, ob sie das Ziel aus Phase eins erreicht, pflegen Inhalte und halten Technik und Sicherheit aktuell. Das ist der Teil, den die meisten beim Budget vergessen.

Wie lange dauert ein Webprojekt wirklich?

Die ehrliche Antwort ist ein Bereich, kein fixes Datum. Die folgende Tabelle bündelt die Richtwerte aus mehreren Quellen, unter anderem dem Timeline-Überblick von Hostinger (2026) und den Erfahrungswerten Schweizer Anbieter wie Bloq Labs (2026), die für eine professionelle KMU-Website sechs bis zwölf Wochen ansetzen. Die Kosten beziehen sich auf den Schweizer Markt.

Realistische DauerBudget Schweiz
Onepager / Visitenkarte1-2 WochenCHF 500-3.000
Marketing-Website (5-8 Seiten)4-8 WochenCHF 5.000-15.000
Website mit eigenen Funktionen8-16 WochenCHF 15.000-35.000
Webshop / komplexe Plattformab 3 Monatenab CHF 30.000

WICHTIG

Planen Sie auf die geschätzte Zeit einen Puffer von 20 bis 30 Prozent ein. Dieser Puffer ist keine Schwarzmalerei, er deckt sich mit der Datenlage: Die McKinsey-Studie zeigt, dass längere Projekte überproportional aus dem Ruder laufen, und laut PMI (2018) erlebten 52 Prozent aller Projekte einen nachträglich wachsenden Umfang. Ein eingeplanter Puffer ist günstiger als die Enttäuschung, wenn ein fix versprochener Termin platzt.

Wofür Sie wen engagieren

Ein Webprojekt besteht aus mehreren Gewerken, ähnlich wie ein Hausbau mehr als nur einen Maurer braucht. Diese Rollen kommen vor:

  • Konzept und Strategie: klärt Ziele, Zielgruppe und Struktur.
  • UX und Design: gestaltet, wie die Seite aussieht und sich bedienen lässt.
  • Entwicklung: baut Frontend und Backend.
  • Text (Copywriting): schreibt die Inhalte, die verkaufen und gefunden werden.
  • SEO: sorgt dafür, dass die Seite bei Google auftaucht.
  • Projektleitung: hält Termine, Budget und Entscheidungen zusammen.

Die gute Nachricht für ein KMU: Diese Rollen brauchen nicht sechs verschiedene Personen. Bei einer typischen KMU-Website deckt eine erfahrene Einzelperson Strategie, Design, Entwicklung und SEO aus einer Hand ab. Genau so arbeite ich: Webentwicklung und Sichtbarkeit bei Google plane ich von Anfang an zusammen, weil eine schnelle Seite und gute Auffindbarkeit dasselbe Ziel haben. Für reinen Marketing-Text oder die Leitung eines sehr grossen Projekts mit mehreren Teams ziehe ich gezielt weitere Leute dazu. Sie haben in jedem Fall eine einzige Ansprechperson statt einer Kette von Zuständigkeiten.

Welches Redaktionssystem dabei sinnvoll ist, hängt vom Projekt ab. Dazu habe ich separat aufgeschrieben, wann WordPress passt und wann eine moderne Lösung wie Next.js die bessere Wahl ist. Und warum Sichtbarkeit bei Google kein Zufall ist, steht im Beitrag dazu, warum Ihre Website nicht gefunden wird.

Die häufigsten Gründe, warum es länger dauert

Wenn Webprojekte aus dem Ruder laufen, liegt das selten an der Technik. Es sind fast immer die gleichen drei Ursachen, und alle drei lassen sich vor dem Start entschärfen.

Unklare Anforderungen

Niemand hat am Anfang schriftlich festgehalten, was genau gebaut wird. Werden Anforderungen erst während der Entwicklung konkret, entstehen Schleifen und Mehraufwand. Genau das ist der oben erwähnte Scope Creep, der laut PMI mehr als die Hälfte aller Projekte trifft.

Zu viele Entscheider ohne Prozess

Je mehr Personen mitreden, desto länger dauern Freigaben. Ohne eine einzige Person, die am Ende verbindlich entscheidet, wird jedes Review zur Endlosschleife. Ein definierter Freigabeprozess ist oft wirksamer als jede zusätzliche Entwicklerstunde.

Fehlende Inhalte und kein MVP

Texte und Bilder kommen zu spät, und gleichzeitig soll alles auf einmal fertig sein. Wer stattdessen mit einem MVP startet, also der kleinsten sinnvollen ersten Version, geht früher live und baut auf echtem Feedback weiter. Das passt zum Standish-Befund, wonach kleine Vorhaben deutlich zuverlässiger gelingen.

TIPP

Bevor Sie eine Agentur oder einen Freelancer anschreiben, schreiben Sie ein einseitiges Briefing. Darauf gehören: das Ziel der Website, die drei bis fünf Funktionen, die wirklich sein müssen, zwei oder drei Websites, die Ihnen gefallen, ein grober Budgetrahmen, der Wunschtermin und der Name der Person, die am Ende entscheidet. Dieses eine Blatt erspart Ihnen erfahrungsgemäss die teuersten Korrekturschleifen, weil danach alle vom gleichen Bild ausgehen.

Welche Tools im Spiel sind

Sie müssen die Werkzeuge nicht selbst bedienen, aber es hilft, die Namen einordnen zu können, wenn sie im Angebot oder in einer Sitzung auftauchen.

  • Design: Figma, um Entwürfe im Browser anzusehen und zu kommentieren.
  • Redaktionssystem: WordPress als verbreiteter Klassiker, oder modernere Ansätze wie Next.js, wenn Tempo und individuelle Funktionen zählen.
  • Zusammenarbeit: ein gemeinsames Dokument für das Briefing, dazu oft ein Board in Notion oder Trello für offene Punkte.
  • Messung: Google Analytics oder das datenschutzfreundliche Plausible, plus die kostenlose Google Search Console für die Sichtbarkeit.

Sie müssen nicht jedes Tool kennen. Entscheidend ist, dass am Ende jemand die Zahlen liest und daraus etwas ableitet. Ein Werkzeug allein verbessert nichts.

Häufige Fragen

Eine einfache Marketing-Website mit fünf bis acht Seiten dauert realistisch 4 bis 8 Wochen. Eine Website mit eigenen Funktionen oder Schnittstellen 8 bis 16 Wochen. Ein Webshop oder eine komplexe Plattform ab drei Monaten. Diese Bereiche decken sich mit den Richtwerten von Hostinger (2026) und Schweizer Agenturen wie Bloq Labs (2026). Sie gelten bei klaren Anforderungen und schnellem Feedback, deshalb planen Sie zusätzlich 20 bis 30 Prozent Puffer ein.

Fazit

Ein Webprojekt steht und fällt mit der Vorbereitung, viel mehr als mit der eingesetzten Technik. Die Daten von Standish, McKinsey und PMI zeigen alle in dieselbe Richtung: Wer den Umfang früh festzurrt, klein anfängt und eine klare Entscheidungsperson hat, landet zuverlässiger im Budget und im Zeitplan. Sie müssen dafür kein Entwickler sein. Ein sauberes einseitiges Briefing und realistische Erwartungen an Dauer und Kosten bringen Sie weiter als jedes Werkzeug.

Quellen

Jonas Baschung

Autor

Jonas Baschung

Digitalstratege und Webentwickler aus Bern und Biel. Hilft KMUs mit performanten Websites und messbarer Sichtbarkeit bei Google.

Über mich →

BEREIT FÜR DEN NÄCHSTEN SCHRITT?

Lassen Sie uns über Ihr Projekt sprechen.